News from Armenia

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14. Tag Wanderung auf den Mt. Aragats

Frühmorgens nach einem stärkenden Frühstück ging es los. Heute war eine Bergwanderung geplant. Der Schichtvulkan Mt. Ararats war das Ziel unseres vorletzten Exkursionstages. Die Wetterprognosen des Vortages hatten Schlechtwetter mit Regen vorhergesagt. Aber schon in den frühen Morgenstunden hatten wir in Jerewan Sonnenschein. Nachdem unser Fahrer nicht in der Gegend kundig war, erreichten wir nach einem Umweg die Serpentinenstrasse und den Ausgangspunkt der Wanderung in ca. 3200m Seehöhe. Ein aufgestauter See, leerstehende Hotels und eine Radarstation befinden sich auf dieser Bergstation. Es blies uns ein scharfer Wind entgegen und wir packten uns in dicke Jacken, Schals und Kapuzen. Vermummt und dem kalten Wind trotzend, machten wir uns an den Aufstieg. Nach einem kurzen gemeinsamen Anstieg, zeichneten sich mehrere kleinere Gruppen ab.

Die sportliche Gruppe oder auch Gipfelstürmer und die bergerfahrenen Wanderer, die sich erst an die ungewohnte Seehöhe anpassen mussten,  meisterten die Wanderung mit Bravour. Der Ausblick auf die umliegende Berg- und Vulkanlandschaft ist atemberaubend schön. Zu dieser Jahreszeit gibt es viele Schneefelder, Schmelzwasserbäche und blühende Schneetälchengesellschaften. Am Beginn der Wanderung gab es flache Abschnitte, aber schnell wurde der Anstieg steiler und eine Herausforderung für die Trittsicherheit der Wanderer. Wir mussten über Schmelzwasserbäche springen, über Schneefelder stapfen und weite Blockschuttfelder, die an den steilen Hängen des Mt. Aragats besonders markant sind, überwinden.

Wir erreichten schließlich den Grat des Mt. Aragats und es folgte ein schwieriger Aufstieg,  der von den Wanderern Trittsicherheit und Kondition erforderte. Die letzten steilen Höhenmeter trieben bei den Wanderern den Puls in die Höhe, aber die Vorfreude auf den Gipfelsieg motivierte auch die Müdesten zum Durchhalten. Die Ersten feierten ihr erreichtes Ziel mit Jubelschreie und nach und nach trudelten schließlich auch die Letzten am Gipfel ein. Glücksgefühle sowie unendliche Freude krönte unsere Wanderung und ein Gruppenfoto auf dem Süd-Gipfel in 3925m Seehöhe besiegelte unsere Wanderung auf den Mt. Aragats.

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13. Tag Genozid Museum & Nationalmuseum

Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem Hotel, machten wir uns auf den Weg Armeniens Hauptstadt Jerewan zu erkunden. Zu erst besuchten wir den Denkmalkomplex „Zizernakaberd“ (was soviel bedeutet wie „Schwalbenburg“), welches zum Gedenken der armenischen Opfer des Völkermordes 1915 erbaut wurde. Das Denkmal befindet sich auf einem gleichnamigen Hügel im Westen der Stadt, von dem aus man eine wunderbare Aussicht auf den ruhenden Vulkan Ararat hat. Neben dem Denkmal gibt es außerdem ein Museum über den Genozid 1915.

Das Denkmal besteht aus kreisförmig angereihten, massiven dunkelgrauen Steinblöcken. In der Mitte befindet sich ein ewig brennendes Feuer. Am jährlichen Gedenktag am 24. April versammeln sich zahlreiche Menschen an dem Denkmal, um den Opfern zu gedenken. Auch als wir dort waren, gab es viele BesucherInnen, die bunte Blumen in einem Halbkreis um das leuchtende Feuer gelegt haben. Außerdem besuchte der Tadschikistanische Präsident mit militärischer Ehrenparade den Denkmalkomplex.

Bei vielen von uns kam eine beklemmende, eigenartige Stimmung auf. Das brennende Feuer, theatralische Musik und die frischen Blumen vermittelten beinahe das Gefühl, als wären die Ereignisse erst vor 20 Jahren passiert. Wir konnten spüren, wie das Leiden nach wie vor präsent ist und viel zu wenig aufgearbeitet wurde. Als dann zusätzlich ein türkisches Militärflugzeug am Himmel zu sehen waren, diskutierten wir über die Bedeutung von Krieg, Friede und Sicherheit.

Um unsere gedrückte Stimmung aufzuhellen, wählten wir zum Mittagessen ein nettes Lokal, zentral gelegen an den Cascaden. Nach der Mittagspause teilten wir uns in Kleingruppen auf, um erneut die Mikroprojekte an den öffentlichen Räumen Jerewans durchzuführen.

Am Nachmittag besuchten wir noch das Armenische Nationalmuseum, welches sich am Republic Square befindet. Hier konnten wir die ereignisreiche Vergangenheit Armeniens bestaunen. Durch die Lage im Transitraum des Großen Kaukasus sind in Armenien seit langer Zeit viele kulturelle Einflüsse und territoriale Auseinandersetzungen vorhanden.

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12. Tag: Interkulturelle Feldarbeit

Gleich in der Früh fand Frau von Elverfeldt auf dem Gelände unserer Unterkunft einen Obsidian. Der Obsidian ist ein Vulkanit, das durch die extrem schnelle Abkühlung von Lavamassen entsteht und deshalb nicht auskristallisiert. In dieser Gegend keine Seltenheit.

Heute stand der Besuch in einem der IBiS (Integrated biodiversity management in South Caucasus) Projektdörfer auf dem Programm. Zusammen mit einer Gruppe armenischer Studierenden und einigen Vertretern von NGOs und GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) wollten wir uns das Dorf Lusagyugh hinsichtlich Erosionsproblemen, Bioengineering und Aufforstung anschauen. Mit dabei war auch Artur Hayrapetyan, der bereits in unserer Vorbereitungsphase eine Vorlesungstermin im WS 16/17 bei uns an der Alpen Adria Universität gehalten hatte.

Auf dem Weg in das Projektdorf hielten wir in der nahe gelegenen Stadt Aparan, um für ein leckeres Mittagspicknick einzukaufen. In der örtlichen modernen Großbäckerei erlebten einige von uns ihren ersten Schock des Tages, nach dem sie dachten, ein Bäcker wäre in den Ofen gefallen. Dazu muss man wissen, dass die traditionellen armenischen Öfen meist aus einem, in den Boden eingelassenen, von unten zu befeuernden großen Tongefäß bestehen, in denen das helle Brot für kurze Zeit an die heißen Wände geklebt und gebacken wird. Da dies jedoch für uns ungewohnt ist, sah der schelle und zielsichere Griff in den Ofen für einige von uns jedoch nach einem Sturz aus.

Die Situation klärte sich dann so schnell auf, wie sie entstanden war. Der Bäcker und die umstehenden Wartenden kicherten kurz über die Fremden und alles nahm seinen gewohnten Lauf.

In Lusagyugh angekommen gab es in der kleinen Baumschule eine Begrüßungsrunde. Kurz darauf zog die gesamte Gruppe zu einer 0,2 ha großen, von Erosion betroffenen, Pilotfläche, die mit einem Elektrozaun vor Beweidung gesichert ist und in der zahlreiche quer befestigte Baumstämme die Erosionsfracht zurückhalten sollen. Denn da niemand das erodierte Material wieder nach oben bringen kann, sollte es am Hang gehalten werden.

Im Dorf herrscht jedoch Uneinigkeit über die Richtung und die Projekte des Bürgermeisters und so sah es danach aus, dass das Solarpanel, mit dem der Zaun betrieben wird, mutwillig durch einen Stein beschädigt worden ist.

Auf dem Weg zu den weiter oben gelegenen größeren Projektflächen passierten wir das Dorf und machten eine kurze Besichtigung der Kirche. Je weiter wir danach den Berg hinaufgingen, desto grandioser wurde unser Ausblick über die tiefer liegenden Flächen zu den beiden besonderen Vulkanen Mt. Ararat und Mt. Aragats. Der Mt. Ararat ist der heilige Berg der Armenier und ihr Nationalsymbol, mittlerweile liegt er jedoch auf türkischem Staatsgebiet. Der Legende nach ist Noah mit seiner Arche auf den Gipfel gestrandet und hat von dort das Land neu besiedelt.

Unterhalb einer kleinen Pilgererkirche besichtigten wir eine Projektfläche, auf der versucht wird, den natürlichen Eichenwald, der oberhalb der Kirche noch vorhanden ist wieder aufzuforsten. Dazu werden die kleinen Eichensetzlinge in Pflanzrillen eingesetzt und 5-6 Mal im Jahr bewässert, da der natürliche Niederschlag für die jungen Bäume nicht ausreicht.

Bei dem leckeren Mittagspicknick und den anschließenden Bodenproben und Biomasseerhebungeen kamen sich die Studentengruppen dann langsam immer näher und ein kleiner Austausch begann. Im Laufe des Nachmittags teilten sich die Gruppen von selbst ein und so ging eine rein studentische Gruppe selbständig eine beispielhafte Rinne vermessen und ein Profil zeichnen.

Die armenischen Studierenden waren sehr interessiert an den verwendeten Methoden und froh über den gelungenen Exkursionstag, der für alle Beteiligten etwas Besonderes war. Die Zusammenarbeit wurde mit einem coolen Gruppenfoto und der Übergabe von einigen Mitbringseln beendet.

Angekommen in Jerewan entschieden sich einige Studierende im Hotel zu bleiben und die übrigen zogen zusammen mit der Exkursionsleitung in die Stadt zu einem Abendessen und erlebten die nächtliche Ausgelassenheit in der Armenischen Hauptstadt.

 

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11. Tag Aller guten Dinge sind drei

Nachdem wir heute überraschenderweise doch ein Frühstück im Hotel Kalanga erhielten, machten wir uns mit einem Bus auf den Weg nach Armenien, unserem dritten Exkursionsland. Die Grenze mussten wir wieder mit all unserem Gepäck zu Fuß passieren. Frau von Elverfeldt stiftete einige Verwirrung bei den armenischen Grenzbeamten aufgrund ihres außergewöhnlichen Namens. Unser Kommilitone mit dem Hammer für den Pürckhauer wurde mit einem Lächeln statt „Tourist“ als „Terrorist“ bezeichnet. Nach einer kurzen Wartezeit kam der Bus mit unserer Kontaktperson in Armenien, Herrn Tigran, dem Direktor der ESAC-Environmental Sustainability Assistance Center (http://esac-ngo.org).

Der erste Stopp in Armenien war das über 1000 Jahre alte Kloster Haghpat, wo ab dem 11. Jahrhundert bis zum Beginn der Sowjetzeit Mönche wohnten. Der dort ansässige Priester erzählte uns einiges über die Architektur und Gebräuche innerhalb der armenischen Kirche. Außerdem verwies er auf die erdbebensichere Bauweise mit verzahnten Steinblöcken.

Die weitere Fahrt ins Landesinnere führte uns durch ein ehemaliges Molybdän-Abbaugebiet.

 

Nach einer kurzen Mittagspause in einer Bäckerei, wo wir die Herstellung des traditionellen Lavash  (hauchdünnes Fladenbrot) mitverfolgen konnten, fuhren wir nach Spitak und besichtigten die vom Erdbeben 1988 schwer beschädigte Stadt. Ein kurzer Rundgang durch den Friedhof verdeutlichte das Ausmaß der damaligen Katastrophe. Enttäuscht mussten wir feststellen, dass das Wahrzeichen von Spitak (ein Halbkreis von Steinen, wo sich in der Mitte eine Uhr befinden sollte, die die Uhrzeit des Erdbebens anzeigt) anscheinend gar nicht (mehr) existiert und die EinwohnerInnen davon nichts wissen.

  

Was wäre unsere Exkursion ohne Zwischenfälle: Dieses Mal war es ein Teil des Keilriemens unseres Busses. Unser Begleiter Tigran organisierte einen Besuch bei seiner Verwandtschaft im „neuen Spitak”. Dort wurden wir herzlich empfangen, sogleich bewirtet und durften deren Hausgarten kartieren. Zum Abschied schenkte die Hausherrin jeder Exkursionsteilnehmerin eine duftende Pfingstrose.

 

Gegen 19 Uhr kamen wir bei unserem Quartier in der Nähe von Aparan an und wurden abermals reichlich verköstigt. Einige von uns waren diesmal ein wenig enttäuscht, weil wir keine Möglichkeit hatten, online zu gehen. Dadurch waren wir leider auch verhindert, diesen Blog rechtzeitig ins Netz zu stellen.