Hier bloggen wir über die Kaukasus-Exkursion 2017 des Geographie-Instituts der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Unsere Neuigkeiten findet ihr unter “Blog”.

Uuuuund Abflug

Nach einem tollen letzten Tag in der armenischen Hauptstadt, an dem wir am Vormittag in die Räumlichkeiten der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) eingeladen wurden, genossen wir den gemeinsamen Abend in einem Armenischen Gasthaus. Hierbei wurden von allen Seiten viele Dankesreden geschwungen und das Erlebte reflektiert.

Nach einer sehr kurzen Nacht sitzen wir jetzt am Flughafen und freuen uns auf die Ankunft in Österreich (in ca. 8 Std.).

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14. Tag Wanderung auf den Mt. Aragats

Frühmorgens nach einem stärkenden Frühstück ging es los. Heute war eine Bergwanderung geplant. Der Schichtvulkan Mt. Ararats war das Ziel unseres vorletzten Exkursionstages. Die Wetterprognosen des Vortages hatten Schlechtwetter mit Regen vorhergesagt. Aber schon in den frühen Morgenstunden hatten wir in Jerewan Sonnenschein. Nachdem unser Fahrer nicht in der Gegend kundig war, erreichten wir nach einem Umweg die Serpentinenstrasse und den Ausgangspunkt der Wanderung in ca. 3200m Seehöhe. Ein aufgestauter See, leerstehende Hotels und eine Radarstation befinden sich auf dieser Bergstation. Es blies uns ein scharfer Wind entgegen und wir packten uns in dicke Jacken, Schals und Kapuzen. Vermummt und dem kalten Wind trotzend, machten wir uns an den Aufstieg. Nach einem kurzen gemeinsamen Anstieg, zeichneten sich mehrere kleinere Gruppen ab.

Die sportliche Gruppe oder auch Gipfelstürmer und die bergerfahrenen Wanderer, die sich erst an die ungewohnte Seehöhe anpassen mussten,  meisterten die Wanderung mit Bravour. Der Ausblick auf die umliegende Berg- und Vulkanlandschaft ist atemberaubend schön. Zu dieser Jahreszeit gibt es viele Schneefelder, Schmelzwasserbäche und blühende Schneetälchengesellschaften. Am Beginn der Wanderung gab es flache Abschnitte, aber schnell wurde der Anstieg steiler und eine Herausforderung für die Trittsicherheit der Wanderer. Wir mussten über Schmelzwasserbäche springen, über Schneefelder stapfen und weite Blockschuttfelder, die an den steilen Hängen des Mt. Aragats besonders markant sind, überwinden.

Wir erreichten schließlich den Grat des Mt. Aragats und es folgte ein schwieriger Aufstieg,  der von den Wanderern Trittsicherheit und Kondition erforderte. Die letzten steilen Höhenmeter trieben bei den Wanderern den Puls in die Höhe, aber die Vorfreude auf den Gipfelsieg motivierte auch die Müdesten zum Durchhalten. Die Ersten feierten ihr erreichtes Ziel mit Jubelschreie und nach und nach trudelten schließlich auch die Letzten am Gipfel ein. Glücksgefühle sowie unendliche Freude krönte unsere Wanderung und ein Gruppenfoto auf dem Süd-Gipfel in 3925m Seehöhe besiegelte unsere Wanderung auf den Mt. Aragats.

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13. Tag Genozid Museum & Nationalmuseum

Nach einem ausgiebigen Frühstück in unserem Hotel, machten wir uns auf den Weg Armeniens Hauptstadt Jerewan zu erkunden. Zu erst besuchten wir den Denkmalkomplex „Zizernakaberd“ (was soviel bedeutet wie „Schwalbenburg“), welches zum Gedenken der armenischen Opfer des Völkermordes 1915 erbaut wurde. Das Denkmal befindet sich auf einem gleichnamigen Hügel im Westen der Stadt, von dem aus man eine wunderbare Aussicht auf den ruhenden Vulkan Ararat hat. Neben dem Denkmal gibt es außerdem ein Museum über den Genozid 1915.

Das Denkmal besteht aus kreisförmig angereihten, massiven dunkelgrauen Steinblöcken. In der Mitte befindet sich ein ewig brennendes Feuer. Am jährlichen Gedenktag am 24. April versammeln sich zahlreiche Menschen an dem Denkmal, um den Opfern zu gedenken. Auch als wir dort waren, gab es viele BesucherInnen, die bunte Blumen in einem Halbkreis um das leuchtende Feuer gelegt haben. Außerdem besuchte der Tadschikistanische Präsident mit militärischer Ehrenparade den Denkmalkomplex.

Bei vielen von uns kam eine beklemmende, eigenartige Stimmung auf. Das brennende Feuer, theatralische Musik und die frischen Blumen vermittelten beinahe das Gefühl, als wären die Ereignisse erst vor 20 Jahren passiert. Wir konnten spüren, wie das Leiden nach wie vor präsent ist und viel zu wenig aufgearbeitet wurde. Als dann zusätzlich ein türkisches Militärflugzeug am Himmel zu sehen waren, diskutierten wir über die Bedeutung von Krieg, Friede und Sicherheit.

Um unsere gedrückte Stimmung aufzuhellen, wählten wir zum Mittagessen ein nettes Lokal, zentral gelegen an den Cascaden. Nach der Mittagspause teilten wir uns in Kleingruppen auf, um erneut die Mikroprojekte an den öffentlichen Räumen Jerewans durchzuführen.

Am Nachmittag besuchten wir noch das Armenische Nationalmuseum, welches sich am Republic Square befindet. Hier konnten wir die ereignisreiche Vergangenheit Armeniens bestaunen. Durch die Lage im Transitraum des Großen Kaukasus sind in Armenien seit langer Zeit viele kulturelle Einflüsse und territoriale Auseinandersetzungen vorhanden.

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12. Tag: Interkulturelle Feldarbeit

Gleich in der Früh fand Frau von Elverfeldt auf dem Gelände unserer Unterkunft einen Obsidian. Der Obsidian ist ein Vulkanit, das durch die extrem schnelle Abkühlung von Lavamassen entsteht und deshalb nicht auskristallisiert. In dieser Gegend keine Seltenheit.

Heute stand der Besuch in einem der IBiS (Integrated biodiversity management in South Caucasus) Projektdörfer auf dem Programm. Zusammen mit einer Gruppe armenischer Studierenden und einigen Vertretern von NGOs und GIZ (Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit) wollten wir uns das Dorf Lusagyugh hinsichtlich Erosionsproblemen, Bioengineering und Aufforstung anschauen. Mit dabei war auch Artur Hayrapetyan, der bereits in unserer Vorbereitungsphase eine Vorlesungstermin im WS 16/17 bei uns an der Alpen Adria Universität gehalten hatte.

Auf dem Weg in das Projektdorf hielten wir in der nahe gelegenen Stadt Aparan, um für ein leckeres Mittagspicknick einzukaufen. In der örtlichen modernen Großbäckerei erlebten einige von uns ihren ersten Schock des Tages, nach dem sie dachten, ein Bäcker wäre in den Ofen gefallen. Dazu muss man wissen, dass die traditionellen armenischen Öfen meist aus einem, in den Boden eingelassenen, von unten zu befeuernden großen Tongefäß bestehen, in denen das helle Brot für kurze Zeit an die heißen Wände geklebt und gebacken wird. Da dies jedoch für uns ungewohnt ist, sah der schelle und zielsichere Griff in den Ofen für einige von uns jedoch nach einem Sturz aus.

Die Situation klärte sich dann so schnell auf, wie sie entstanden war. Der Bäcker und die umstehenden Wartenden kicherten kurz über die Fremden und alles nahm seinen gewohnten Lauf.

In Lusagyugh angekommen gab es in der kleinen Baumschule eine Begrüßungsrunde. Kurz darauf zog die gesamte Gruppe zu einer 0,2 ha großen, von Erosion betroffenen, Pilotfläche, die mit einem Elektrozaun vor Beweidung gesichert ist und in der zahlreiche quer befestigte Baumstämme die Erosionsfracht zurückhalten sollen. Denn da niemand das erodierte Material wieder nach oben bringen kann, sollte es am Hang gehalten werden.

Im Dorf herrscht jedoch Uneinigkeit über die Richtung und die Projekte des Bürgermeisters und so sah es danach aus, dass das Solarpanel, mit dem der Zaun betrieben wird, mutwillig durch einen Stein beschädigt worden ist.

Auf dem Weg zu den weiter oben gelegenen größeren Projektflächen passierten wir das Dorf und machten eine kurze Besichtigung der Kirche. Je weiter wir danach den Berg hinaufgingen, desto grandioser wurde unser Ausblick über die tiefer liegenden Flächen zu den beiden besonderen Vulkanen Mt. Ararat und Mt. Aragats. Der Mt. Ararat ist der heilige Berg der Armenier und ihr Nationalsymbol, mittlerweile liegt er jedoch auf türkischem Staatsgebiet. Der Legende nach ist Noah mit seiner Arche auf den Gipfel gestrandet und hat von dort das Land neu besiedelt.

Unterhalb einer kleinen Pilgererkirche besichtigten wir eine Projektfläche, auf der versucht wird, den natürlichen Eichenwald, der oberhalb der Kirche noch vorhanden ist wieder aufzuforsten. Dazu werden die kleinen Eichensetzlinge in Pflanzrillen eingesetzt und 5-6 Mal im Jahr bewässert, da der natürliche Niederschlag für die jungen Bäume nicht ausreicht.

Bei dem leckeren Mittagspicknick und den anschließenden Bodenproben und Biomasseerhebungeen kamen sich die Studentengruppen dann langsam immer näher und ein kleiner Austausch begann. Im Laufe des Nachmittags teilten sich die Gruppen von selbst ein und so ging eine rein studentische Gruppe selbständig eine beispielhafte Rinne vermessen und ein Profil zeichnen.

Die armenischen Studierenden waren sehr interessiert an den verwendeten Methoden und froh über den gelungenen Exkursionstag, der für alle Beteiligten etwas Besonderes war. Die Zusammenarbeit wurde mit einem coolen Gruppenfoto und der Übergabe von einigen Mitbringseln beendet.

Angekommen in Jerewan entschieden sich einige Studierende im Hotel zu bleiben und die übrigen zogen zusammen mit der Exkursionsleitung in die Stadt zu einem Abendessen und erlebten die nächtliche Ausgelassenheit in der Armenischen Hauptstadt.

 

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11. Tag Aller guten Dinge sind drei

Nachdem wir heute überraschenderweise doch ein Frühstück im Hotel Kalanga erhielten, machten wir uns mit einem Bus auf den Weg nach Armenien, unserem dritten Exkursionsland. Die Grenze mussten wir wieder mit all unserem Gepäck zu Fuß passieren. Frau von Elverfeldt stiftete einige Verwirrung bei den armenischen Grenzbeamten aufgrund ihres außergewöhnlichen Namens. Unser Kommilitone mit dem Hammer für den Pürckhauer wurde mit einem Lächeln statt „Tourist“ als „Terrorist“ bezeichnet. Nach einer kurzen Wartezeit kam der Bus mit unserer Kontaktperson in Armenien, Herrn Tigran, dem Direktor der ESAC-Environmental Sustainability Assistance Center (http://esac-ngo.org).

Der erste Stopp in Armenien war das über 1000 Jahre alte Kloster Haghpat, wo ab dem 11. Jahrhundert bis zum Beginn der Sowjetzeit Mönche wohnten. Der dort ansässige Priester erzählte uns einiges über die Architektur und Gebräuche innerhalb der armenischen Kirche. Außerdem verwies er auf die erdbebensichere Bauweise mit verzahnten Steinblöcken.

Die weitere Fahrt ins Landesinnere führte uns durch ein ehemaliges Molybdän-Abbaugebiet.

 

Nach einer kurzen Mittagspause in einer Bäckerei, wo wir die Herstellung des traditionellen Lavash  (hauchdünnes Fladenbrot) mitverfolgen konnten, fuhren wir nach Spitak und besichtigten die vom Erdbeben 1988 schwer beschädigte Stadt. Ein kurzer Rundgang durch den Friedhof verdeutlichte das Ausmaß der damaligen Katastrophe. Enttäuscht mussten wir feststellen, dass das Wahrzeichen von Spitak (ein Halbkreis von Steinen, wo sich in der Mitte eine Uhr befinden sollte, die die Uhrzeit des Erdbebens anzeigt) anscheinend gar nicht (mehr) existiert und die EinwohnerInnen davon nichts wissen.

  

Was wäre unsere Exkursion ohne Zwischenfälle: Dieses Mal war es ein Teil des Keilriemens unseres Busses. Unser Begleiter Tigran organisierte einen Besuch bei seiner Verwandtschaft im „neuen Spitak”. Dort wurden wir herzlich empfangen, sogleich bewirtet und durften deren Hausgarten kartieren. Zum Abschied schenkte die Hausherrin jeder Exkursionsteilnehmerin eine duftende Pfingstrose.

 

Gegen 19 Uhr kamen wir bei unserem Quartier in der Nähe von Aparan an und wurden abermals reichlich verköstigt. Einige von uns waren diesmal ein wenig enttäuscht, weil wir keine Möglichkeit hatten, online zu gehen. Dadurch waren wir leider auch verhindert, diesen Blog rechtzeitig ins Netz zu stellen.

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10. Tag Besichtigung Tbilisi

Der heutige Tag in der Hauptstadt Georgiens, in Tbilisi, startete für uns alle sehr gemütlich: Es war unser erster (und in einheitlicher Meinung: wohlverdienter) freier Vormittag auf der Exkursion. Einige von uns machten sich gegen 9 Uhr auf den Weg in ein naheliegendes Café, um sich mit einem herrlichen Frühstück für die im Anschluss geplante individuelle Erkundungs- und Shoppingtour durch Tbilisi zu stärken, während die restlichen von uns einen Großteil des Vormittags im Bett verbrachten. Um 12 Uhr trafen wir uns alle wieder im Hotel Kalanga, um gemeinsam eine Wanderung zur Stue der „Mother of Georgians“, den Botanischen Garten und durch die Altstadt zu unternehmen. Im Anschluss führten wir unsere Mikroprojekte zu den öffentlichen Räumen durch.

  

Besonders interessant war der Besuch bei der österreichischen Botschaft, wo uns Herr Dr. Gerhard Schaumberger (Head of Office/Counselor der Austrian Development Agency) erwartete. Nach einer kurzen Darstellung der aktuellen kritischen politischen Situation in Georgien und Armenien erhielten wir wertvolle Tipps für die Weiterreise. Die ADA hat Büros in Georgien und Armenien, wo sie gemeinsam mit NGO’s, UNO, GIZ und weiteren Organisationen vor allem Projekte in der Land- und Forstwirtschaft, Umwelt- (erneuerbare Energien, …) und Regionalentwicklung betreuen. Im Gespräch verdeutlichte er, dass sehr viel Fingerspitzengefühl und Diplomatie für diese Arbeit notwendig sind. Das aktuellste Projekt beschäftigt sich mit dem „Braunen Marmorierten Stinkkäfer“, der aus Asien eingeschleppt wurde, hier keine natürlichen Feinde hat und große Schäden in der Landwirtschaft (v.a in den für den Export wichtigen Haselnussplantagen) anrichtet. Lösungsmöglichkeiten für diese Problematik werden gemeinsam mit der BOKU Wien und Schweizer Experten erarbeitet. Zum Schluss erfuhren wir noch einiges zu seinem interessanten, beruflichen Werdegang. Mit dem Angebot, künftige Bachelor- und Masterarbeiten in Georgien und Armenien von Seiten der ADA zu unterstützen, verabschiedeten wir uns nach ca. 1 Stunde.

 

In einem ruhigen Hinterhof reflektierten wir kurz das soeben Gehörte und wurden in unseren wohlverdienten Feierabend entlassen. Am Montag um 00:45  gab es noch einen Zwischenfall: einer unserer Studenten konnte sich nicht mehr aus dem Badezimmer befreien und der Rezeptionist musste mit einem Schlüssel kommen und die unschuldige, von miesem Karma belastete Seele zu erlösen. Zwei Minuten später waren dann zwei andere Studenten in der Klemme, diesmal konnte die restliche Truppe zu Hilfe kommen.

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9. Tag Fahrt von Dedoplistskaro nach Tbilisi

Am frühen Morgen starteten wir in Dedoplistskaro mit zwei Autos nach Tbilisi. Die Abfahrt dauerte ein wenig länger, da wir recht viel Gepäck für die zwei Autos hatten, doch unsere Fahrer stapelten unser Gepäck in die Autos, als hätten sie Routine in dem Spiel Tetris. Auf der an sich nur vierstündigen Fahrt stoppten wir noch mehrmals, um uns mit der Kultur und Geschichte Georgiens auseinanderzusetzen.

Unser erster längerer Stopp war in Telavi, einer kleinen Stadt in der Region Kachetien. Hier stärkten wir uns mit Tee und Kaffee, um anschließend den Palast und das Reiterstandbild des ehemaligen Königs Irakli II zu betrachten und uns von Natia, unserem heutigen Guide, die bewegte Geschichte des Landes erläutern zu lassen. Anschließend spazierten wir noch zu einer sehr eindrucksvollen, da über 800 Jahre alten Platane.

Später setzten wir unsere Reise fort und suchten das orthodoxe Kloster Alaverdi auf. Die Besichtigung verzögerte sich ein wenig, da zeitgleich eine Hochzeit stattfand. Dieses Ereignis wird in Georgien groß gefeiert. Die Gäste der Hochzeit kamen mit vielen Autos und mehreren Bussen, da der Bräutigam aus einer recht einflussreichen Familie stammt, wie uns später berichtet wurde. Unsere Führung begann schließlich mit der Besichtigung des Innenhofes des Klosters, wo wir vom Bischof als seine persönlichen Gäste begrüßt wurden. Weiter ging es mit der Erläuterung der traditionellen Weinherstellung und des Weinkellers. Die Weinreifung in diesem Weingut erfolgte früher in speziellen Behältnissen unter der Erde, in denen über mehrere Wochen sämtliche Bestandteile der Traube gegärt wurden. Dadurch bekam dieser Tropfen seinen besonderen Geschmack. Die traditionellen Behältnisse wurden zur Zeit der Sowjetunion leider für die Lagerung von Diesel genutzt, sodass es nur noch wenige gut erhaltene Behälter gibt. Auch heute noch wird im Kloster Wein hergestellt, den modernen Standards entsprechend  und mit sehr viel Erfolg: Der Wein ist mehrfach prämiert.
Im Anschluss an die Führung besuchten wir noch die Kirche, um später die besondere Architektur besprechen zu können. Auffällig waren die wenigen Malereien im Inneren; auch die religiösen Riten unterscheiden sich deutlich von denen der katholischen oder evangelischen Kirche. Besonders spannend war in diesem Zusammenhang natürlich, dass wir die Möglichkeit hatten, bei der Hochzeit zuzusehen. Für viele von uns überraschend war, dass die Kleidervorschriften für Männer und Frauen mindestens ebenso streng waren wie in der bereits in Baku besuchten Moschee. Auch in Bezug auf die Rolle der Frau ist die georgische orthodoxe Kirche noch sehr traditionell eingestellt.

Von dem Kloster Alaverdi starteten wir dann weiter in Richtung Tbilisi, wo wir – nach eindrucksvoller Fahrt durch alte Buchenwälder, schöne Hügellandschaften und an vielen Burgen vorbei – am Abend in dem Hotel Kalanga in der Altstadt von Tbilisi abstiegen. Sehr beeindruckend war dabei insbesondere die Einfahrt nach Tbilisi, da die Gegensätze zwischen Stadt und Land in vielen verschiedenen Bereichen mehr als deutlich wurden – nur nicht im Straßennetz, das sich in einem äußerst schlechtem Zustand befindet. Fast schon schockierend war im ersten Moment auch der Zustand der Altstadt, da diese bei dem letzten Erdbeben in Tbilisi (2002) sehr stark beschädigt worden ist und es erst jetzt – 15 Jahre später – die Möglichkeiten gibt, diese zu restaurieren. Der Eindruck, dass viele Gebäude vom Einsturz bedroht sind, ist sicherlich noch durch die ungewöhnlich starken Regenfälle verstärkt worden, die unsere Ankunft begleitet haben.

Erstaunlich ist insbesondere auch das Nebeneinander von restaurierten bzw. gut erhaltenen Häusern und den bereits beschriebenen stark beschädigten Gebäuden und Straßenzügen. Nach einer weiteren Kurve in engen Gassen erreichten wir unser schönes Hotel. In Feierlaune starteten viele von uns in das ausgeprägte Nachtleben von Tbilisi und trotzten dabei den sintflutartigen Regenfällen.

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8. Tag Wandern für Faule

Die Nacht in den Bungalows im Vashlowani National Park ging im wahrsten Sinne des Wortes „heiß“ vorüber. Überflutet aus einer Kombination von Anti Brumm-Insektenspray, No Bite-Insektenspray, schweißtreibender Hitze und alptraumhaften Träumen über Schlangen klebten so ziemlich alle in ihren Schlafsäcken fest und taten, mit ein paar Ausnahmen, kaum ein Auge zu. Zum Frühstück am nächsten Morgen torkelten dann auch alle dementsprechend angeschlagen herbei. Nach einem ergiebigen Frühstück unternahmen wir eine Wanderung zur natürlichen Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan, die sich entlang eines mäandrierenden Flusses (Alazani) befindet.  Frau von Elverfeldt erläuterte weiters, dass der Fluss nicht nur Mäander aufweist, sondern sich im Mäander zugleich auch verzweigt (Breitenverzweigung). Herr Kirchmeir lenkte anschließend unsere Aufmerksamkeit auf eine spezielle Pflanze, die in der Gegend heimisch ist, dem Federgras, welches spezielle Grannen zur Samenverbreitung besitzt.

Nach einigen Gruppenfotos vor der Grenze zu Aserbaidschan traten wir schweißgebadt den Rückweg an. Auf halben Weg versuchten wir, in feuchtem Boden die Fährten von unterschiedlichen Tieren zu lesen. Darunter befanden sich Spuren von Wildschweinen, Wölfen, Hasen sowie Schakalen.

Als wir uns nach der Wanderung erneut bei den Bungalows einfanden, waren alle erfreut darüber, dass bis zum nächsten Programmpunkt noch ein wenig Zeit zur Erholung zur Verfügung stand. Diese Zeit verbrachten Herr Kirchmeir und Tim mit einem spannenden Kirschkernweitspucken, obwohl sie anfängliche Startschwierigkeiten (Treffsicherheit usw.) hatten. Natürlich darf man nicht vergessen, dass wir uns auf einer Exkursion befinden und etwas Neues sehen und lernen wollen. Daher fand dieses Duell basierend auf einer höchst interessanten Forschungsfrage, die in diesem Umfang hier leider nicht behandelt werden kann, statt.

Um 11:45 fand unsere Exkursionstour im Vashlowani Nationalpark dann eine Fortsetzung – wie üblich stürmisch und holprig, ohne Rücksicht auf Auto oder Insassen. Eine zweistündige Fahrt erwartete uns nach Dilica (übersetzt „Morgentee“), einer weiten Ebene, überzogen von unterschiedlichsten Pflanzenarten. Nino, unsere Guide, erklärte uns die Namensgebung des Gebietes wie folgt: Im 16. Jahrhundert herrschte Krieg zwischen Georgien und Persien. Eines Tages attackierte Georgien Persien völlig unerwartet und früh am Morgen. Dadurch hatten die Perser keine Gelegenheit mehr, ihren Tee am Morgen zu trinken, woher dann auch der Name des Gebietes stammte.

Im weiteren Verlauf unserer Tour überhitzte bei einem unserer allradgetriebenen Kleinbussen der Motor und wir waren gezwungen, eine Weile in brütender Hitze auszuharren, während der Fahrer versuchte, den Wagen zu reparieren. Herr Kirchmeir nutzte die Gelegenheit, um mit uns eine Biodiversitätserhebung zur Überbrückung durchzuführen (Zitat von Nino: „Snakes are everywhere“). Aber was macht man nicht alles für eine erfolgreiche Exkursion. Nach einer erfolgreichen Erhebung und einer scheinbar gelungenen Reparatur des Wagens setzten wir unsere Tour fort. Weit kamen wir allerdings nicht. Der Motor überhitzte erneut. Ein neuer Wagen wurde angefordert und wir genossen in der Zwischenzeit unser vorbereitetes Lunchpaket. Dies war auch die Zeit, in der wir weiter an unserem neuen Trend, dem „Toilet Porn“ feilten.

Nachdem ein neuer Transporter angefordert worden war, ging unsere „Wanderung“ weiter zu dem Black Mountain, auf dem sich eine mit einem Kreuz gekennzeichnete Gedenkstätte für ein altes Kloster befindet, in dem sich die wohl berühmteste Königin Georgiens, König (!) Tamara, zuletzt in Georgien aufgehalten hat, bevor sie in Persien getötet wurde. Nach einer kurzen Verweildauer begaben wir uns zurück zur Unterkunft der Ilia State University in Dedoplistskaro, um unser Gepäck sowie Tim, der unter einer plötzlich auftretenden Allergie leidete, abzuliefern. Alle anderen begaben sich mit den Transportern zum Eagle Gorge, wo wir voller Begeisterung Geier als auch deren Horst in Höhlen beobachten konnten. Frau von Elverfeldt lieferte bei Gelegenheit gleich ein Kommentar nebenbei ab: „Die Geier wundern sich bestimmt, wie etwas, das so stinken kann wie wir, auch gleichzeitig so beweglich sein kann (mit Bezug auf die Studenten und Exkursionsleiter, die bereits den ganzen Tag völlig verschwitzt waren). Gott sei Dank lenkte eine Gottesanbeterin die Aufmerksamkeit auf sich, sonst würden wir uns noch heute beim Eagle Gorge befinden.

Nach einem vorzüglichen Abendmahl waren alle heilfroh sich endlich unter die Dusche stellen zu können.

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7. Tag: Vashlowani National Park

Die Verhaltensregeln für den 7. Tag lauten:

Nicht laufen.

Nicht schnell bewegen.

Nicht barfuß gehen.

Nicht den Kopf unter die Bäume und Sträucher stecken.

Lange Hose und festes Schuhwerk anziehen.

Heute ging es in den Vashlowani National Park. Er liegt im Distrikt von Dedoplistskaro, 100-900 Meter über dem mittleren Meeresspiegel. Er wurde 1935 gegründet und 2003 erweitert und hat heute eine Gesamtfläche von 45 000 ha. “Vashli” bedeutet “apple” und “Vashlowani” ist der “place of apple trees”, deshalb würde man viele Apfelbäume in Vashlowani erwarten. Allerdings bezieht sich der Name tatsächlich auf die bis zu 800 Jahre alten wilden Pistazienbäume, die dort wachsen und eine starke Ähnlichkeit mit Apfelbäumen aufweisen, weshalb es zu dem Namen kam.

Im National Park gibt es neben den Pistazienbäumen einen großen Reichtum an Blumen und anderen Pflanzen in den verschiedensten Farbkombinationen und Gemeinschaften sowie vielen (für uns exotischen) Tieren. 2003-2008 gab es im Park sogar ein Leopardenvorkommen. Seit 10 Jahren sind Gazellen aus der Türkei im Vashlowani National Park angesiedelt, da die georgische Population ausgestorben war. Sie fühlen sich im Vashlowani National Park sehr wohl und es gibt auch schon Nachwuchs.

 

Die Fauna vom Park umfasst verschiedenste Insekten (Gottesanbeterin), Reptilien (Agame) , Schmetterlinge, Fische, Biber, Stachelschweine, Vögel (z.B. Bienenfresser, Würger, Mauersegler, Adler, Geier), Schildkröten, Schakale, Hyänen, Wölfe, Bären und 12 verschiedene Arten von Vipern, davon sind 2 auch für den Menschen giftige. Unsere Guide Nino meinte: „Don’t go in high grass and move slowly“. Trotz der Warnhinweise trieb es die meisten von uns in die „wilde Natur“ und wir freuten uns auf den Nationalpark, allen voran unser Hanns Kirchmeir. Aufgeteilt auf zwei geländetauglichen Kleinbusse ging es los. Wir fuhren über die weiten Ebenen und Hügellandschaften mit Getreide und Sonnenblumenanbau, vorbei an den Ställen und Unterkünften der Hirten, einst ehemaligen Kolchosen. Nach 1,5 Stunden Fahrt über die weiten Felder erreichten wir die Monuments of Nature. Wir gingen auf Fotosafari, schossen Fotos von Schildkröten, Agamen, Mauerseglern, Geiern, Adlern, Gottesanbeterinnen und “cholerischen kaukasischen Kampfameisen”. 

Mit den Transportern fuhren wir weiter durch die Sediment- und Sandsteinformationen des Vashlowani Valley, deren Entstehung uns bei einigen Stopps erklärt wurde. Bei unseren Wanderungen im trockenen Bachbett schwärmten einige auf der Suche nach Schlangen, Schildkröten, diverse Pflanzen und Greifvögel aus. Die Autohupe mahnte zum Aufbruch und holte die mutigen Entdecker/innen wieder zu den Autos zurück. Bei der stundenlangen, holprigen Autofahrt in den harten Fahrrillen und Schlaglöchern wurde das Fahrkönnen und die Belastungsfähigkeit der Busse, aber vor allem der Mitfahrer/innen getestet. Unsere Mittagspause hielten wir in der Nähe eines beeindruckenden Kliffs – vermutlich einer ehemaligen Küstenlinie – im Schatten und wir stärkten uns mit kaltem Hühnchen, Gurken, Tomaten, Schafskäse, Pfirsichen und Marillen. Von dem schönen Rastplatz aus hatten wir eine Fernsicht bis zum Stausee Mingachevir in Aserbaidschan. Nach der Mittagspause brachten die Guides uns zu den Klippen, an denen wir die Erosions- und Rutschungsprozesse im Grenzlandgebiet zu Aserbaidschan begutachten konnten.

Auf der Fahrt durch den Nationalpark wurden wir heftig durchgeschüttelt und unsere Busse lehnten sich mehrmals gefährlich in Seitenlage und wir kamen in der stickigen Innenraumluft noch mehr ins Schwitzen. Mitten im National Park hatten wir sogar eine Passkontrolle. An der „grünen Grenze“ zu Aserbaidschan patrouillieren georgische Polizeieinheiten, um illegalen Grenzübertritt zu verhindern. Schließlich erreichten wir unsere Unterkunft für die Nacht, coole Bungalows am Fluss. Die Guides versorgten uns mit Gegrilltem, Hühnchen, Tomaten, Gurken, marinierten Pilzen, frischem Brot und Obst. Den unerbittlichen Angriffen der Gelsen & Co. wehrten wir mit einer Anti-Brumm-Wolke erfolgreich ab. Den siebenten Exkursionstag und zweiten Tag in Georgien verbrachten wir im Vashlowani National Park, der einige Highlights für abenteuersuchende Besucher bietet.

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6. Tag: …Und weiter geht´s nach Georgien!

Auch wenn wir liebend gerne ein wenig ausführlicher in unserem idyllischen Forest Resort gefrühstückt hätten, starteten wir früh unsere 4 Stündige Anreise zur Aserbaidschanisch-Georgischen Grenze. Während der Fahrt bekamen wir noch einmal zum Abschluss intensive Eindrücke vom ländlichen Aserbaidschan mit – Schafherden und Kühe auf der Straße, abenteuerliche Plumpsklos und wunderschöne Berglandschaften.

Voller Vorfreude an der Grenze angekommen, mussten wir auf der Aserbaidschanischen Seite erst einmal warten – der Grenzbeamte war wohl gerade auf Mittagspause. Dann endlich: Gepäck röntgen, Pässe stempeln und weiter ging es bei gefühlten 40°C auf die andere Seite der Grenze. Wir hievten unsere Koffer zu den Georgischen Grenzkontrollen und kamen dort überraschend schnell in das Land.

Unser treuer Busfahrer begleitete uns bis auf die andere Grenzseite und organisierte uns dann Transportmöglichkeiten zu unserem nächsten Stopp Dedoplistzqaro. Nach einer weiteren einstündigen Fahrt im Affentempo erreichten wir unsere Unterkunft, das Ilia University Scientific Center. Hier war jedoch kein Durchschnaufen angesagt, sondern es ging direkt weiter zu unserem ersten gemeinsamen Mittagessen in Georgien. Wir alle waren begeistert von den vielfältigen Gerichten.


Nach dem Essen lernten wir unsere Guides Nino und Amiran kennen, welche uns in den nächsten Tagen begleiten werden. Amiran zeigte uns die lokale Problematik der fehlenden vegetativen „Wind Breaker“ auf. Durch Brandrodung wurden viele Baum- und Pflanzenreihen mitverbrannt, die eigentlich als Schutz der Felder dienten. Sie können Felder vor Erosion schützen und einen fruchtbare, nachhaltige Landwirtschaft ermöglichen. Amiran möchte gemeinsam mit der GIZ unter den Bauern ein Bewusstsein für den Schutz der Wind Breaker verbreiten und versucht außerdem, die schutzgebende Vegetation wieder herzustellen.

Am Abend besuchten wir noch das Eagle Gorge of Natural Monument. Auf dem Weg sahen wir Hügel, die an eine liegende Frau erinnerten. Wir kletterten bei dem Monument auf das Khornabuji fortress und genossen eine atemberaubende Aussicht. In der Abenddämmerung jaulten die Schakale – ein wunderbarer Abschluss unseres ersten Tages in Georgien.

Bei der anschließenden abendlichen Reflexionsrunde, spürten wir plötzlich ein leichtes Erdbeben. Das Erdbeben befand sich 18 km von uns entfernt und wurde auf der Richter-Skala mit 4,8 gemessen. Nach diesem aufregenden Ereignis fielen wir erschöpft ins Bett.