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8. Tag Wandern für Faule

Die Nacht in den Bungalows im Vashlowani National Park ging im wahrsten Sinne des Wortes „heiß“ vorüber. Überflutet aus einer Kombination von Anti Brumm-Insektenspray, No Bite-Insektenspray, schweißtreibender Hitze und alptraumhaften Träumen über Schlangen klebten so ziemlich alle in ihren Schlafsäcken fest und taten, mit ein paar Ausnahmen, kaum ein Auge zu. Zum Frühstück am nächsten Morgen torkelten dann auch alle dementsprechend angeschlagen herbei. Nach einem ergiebigen Frühstück unternahmen wir eine Wanderung zur natürlichen Grenze zwischen Georgien und Aserbaidschan, die sich entlang eines mäandrierenden Flusses (Alazani) befindet.  Frau von Elverfeldt erläuterte weiters, dass der Fluss nicht nur Mäander aufweist, sondern sich im Mäander zugleich auch verzweigt (Breitenverzweigung). Herr Kirchmeir lenkte anschließend unsere Aufmerksamkeit auf eine spezielle Pflanze, die in der Gegend heimisch ist, dem Federgras, welches spezielle Grannen zur Samenverbreitung besitzt.

Nach einigen Gruppenfotos vor der Grenze zu Aserbaidschan traten wir schweißgebadt den Rückweg an. Auf halben Weg versuchten wir, in feuchtem Boden die Fährten von unterschiedlichen Tieren zu lesen. Darunter befanden sich Spuren von Wildschweinen, Wölfen, Hasen sowie Schakalen.

Als wir uns nach der Wanderung erneut bei den Bungalows einfanden, waren alle erfreut darüber, dass bis zum nächsten Programmpunkt noch ein wenig Zeit zur Erholung zur Verfügung stand. Diese Zeit verbrachten Herr Kirchmeir und Tim mit einem spannenden Kirschkernweitspucken, obwohl sie anfängliche Startschwierigkeiten (Treffsicherheit usw.) hatten. Natürlich darf man nicht vergessen, dass wir uns auf einer Exkursion befinden und etwas Neues sehen und lernen wollen. Daher fand dieses Duell basierend auf einer höchst interessanten Forschungsfrage, die in diesem Umfang hier leider nicht behandelt werden kann, statt.

Um 11:45 fand unsere Exkursionstour im Vashlowani Nationalpark dann eine Fortsetzung – wie üblich stürmisch und holprig, ohne Rücksicht auf Auto oder Insassen. Eine zweistündige Fahrt erwartete uns nach Dilica (übersetzt „Morgentee“), einer weiten Ebene, überzogen von unterschiedlichsten Pflanzenarten. Nino, unsere Guide, erklärte uns die Namensgebung des Gebietes wie folgt: Im 16. Jahrhundert herrschte Krieg zwischen Georgien und Persien. Eines Tages attackierte Georgien Persien völlig unerwartet und früh am Morgen. Dadurch hatten die Perser keine Gelegenheit mehr, ihren Tee am Morgen zu trinken, woher dann auch der Name des Gebietes stammte.

Im weiteren Verlauf unserer Tour überhitzte bei einem unserer allradgetriebenen Kleinbussen der Motor und wir waren gezwungen, eine Weile in brütender Hitze auszuharren, während der Fahrer versuchte, den Wagen zu reparieren. Herr Kirchmeir nutzte die Gelegenheit, um mit uns eine Biodiversitätserhebung zur Überbrückung durchzuführen (Zitat von Nino: „Snakes are everywhere“). Aber was macht man nicht alles für eine erfolgreiche Exkursion. Nach einer erfolgreichen Erhebung und einer scheinbar gelungenen Reparatur des Wagens setzten wir unsere Tour fort. Weit kamen wir allerdings nicht. Der Motor überhitzte erneut. Ein neuer Wagen wurde angefordert und wir genossen in der Zwischenzeit unser vorbereitetes Lunchpaket. Dies war auch die Zeit, in der wir weiter an unserem neuen Trend, dem „Toilet Porn“ feilten.

Nachdem ein neuer Transporter angefordert worden war, ging unsere „Wanderung“ weiter zu dem Black Mountain, auf dem sich eine mit einem Kreuz gekennzeichnete Gedenkstätte für ein altes Kloster befindet, in dem sich die wohl berühmteste Königin Georgiens, König (!) Tamara, zuletzt in Georgien aufgehalten hat, bevor sie in Persien getötet wurde. Nach einer kurzen Verweildauer begaben wir uns zurück zur Unterkunft der Ilia State University in Dedoplistskaro, um unser Gepäck sowie Tim, der unter einer plötzlich auftretenden Allergie leidete, abzuliefern. Alle anderen begaben sich mit den Transportern zum Eagle Gorge, wo wir voller Begeisterung Geier als auch deren Horst in Höhlen beobachten konnten. Frau von Elverfeldt lieferte bei Gelegenheit gleich ein Kommentar nebenbei ab: „Die Geier wundern sich bestimmt, wie etwas, das so stinken kann wie wir, auch gleichzeitig so beweglich sein kann (mit Bezug auf die Studenten und Exkursionsleiter, die bereits den ganzen Tag völlig verschwitzt waren). Gott sei Dank lenkte eine Gottesanbeterin die Aufmerksamkeit auf sich, sonst würden wir uns noch heute beim Eagle Gorge befinden.

Nach einem vorzüglichen Abendmahl waren alle heilfroh sich endlich unter die Dusche stellen zu können.